Triathlon Wettkampf mit defektem Dexcom G6

Am 26 Juni war es soweit: Der Höhepunkt meines Triathlonjahres 2022, ein Ironman 70.3 in Hoorn in den Niederlanden stand an. Meine Vorbereitungen auf den Wettkampf liefen erstaunlich gut. Ich hatte mit keinen größeren Verletzungen zu kämpfen und konnte meinen Trainingsplan weitgehend erfüllen. Zur Vorbereitung hatte ich am 15. Mai am Venlo Halbmarathon teilgenommen. Trotz einer Radeinheit von rund 80 Kilometern am Vortag hat alles gut geklappt und ich konnte in der Woche nach dem Lauf mit dem Training wie geplant weitermachen.
Wie man aus der Überschrift bereits entnehmen kann, lief im Wettkampf selbst jedoch nicht alles rund. Dazu aber gleich mehr.
Zum Wettkampf bin ich mit dem Wohnmobil angereist und habe am dortigen Yachthafen einen Stellplatz bekommen. Der Stellplatz war fußläufig zum Eventgelände und alles lief perfekt. Für das Wochenende war zwar Regen angesagt, was mich aber nicht aus der Ruhe brachte. Zum Glück kam der Regen in der Nacht vor dem Wettkampf und am entscheidenden Tag blieb es trocken.
Der Wettkampf startete um 9 Uhr. Leider konnte man sich nicht einschwimmen, was ich sonst gerne tue. Für das Schwimmen habe ich mir zur Überwachung meines Blutzuckers die BlueJay Watch GTS angezogen, da mein Smartphone nicht wasserdicht ist und ich es in der Wechselzone lassen musste. Zum Schwimmstart ging ich mit einem Wert von ca. 200 mg/dl ins Wasser. Das Schwimmen verlief ohne Zwischenfälle. Direkt nach dem Schwimmausstieg, als ich auf die Uhr schaute, hatte ich leider keine Werte. Ich dachte zuerst, dass es daran läge, dass die Uhr im Wasser keine Werte empfangen habe und hoffte, dass sie sich gleich wieder verbinden würde. In der Wechselzone steckte ich dann das Smartphone in meine Bauchtasche, schnappte mir mein Rad und ging auf die Radstrecke. Körperlich fühlte ich mich gut und ich machte mir daher zunächst um meinen Blutzucker keine Sorgen. Auf dem Rad sehe ich meine Blutzuckerwerte auf einem Radcomputer von Garmin. Dieser gab mir nach kurzer Zeit das Signal „Besonders niedrig“, mit einem angeblichen Wert von 39 mg/dl. Dies verunsicherte mich natürlich stark und ich überlegte kurz, das Rennen zu beenden. Allerdings wurde mir dann klar, dass ich mich bei einem solchen Wert auf keinen Fall so gut fühlen würde und habe die Überlegung aufzugeben, verworfen. Ich beschloss weiterzufahren und mich dabei konsequent an meine zuvor im Training vielfach geübte Ernährungsstrategie zu halten. Alle 20 Minuten nahm ich 20 Gramm Kohlenhydrate in Form von Haferriegeln zu mir in Verbindung mit Gels, die ich mit Wasser verdünnt hatte. Da ich für die gesamte Radstrecke genügend Eigenverpflegung bei mir hatte und an den Verpflegungsstellen nur Wasser aufgenommen habe, funktionierte dies gut und ich fühlte mich weiterhin fit. Ich konnte die Radstrecke in weniger als drei Stunden beenden. Leider hatte sich danach mein Dexcom G6 noch immer nicht gefangen und zeigte mir konstant niedrige Werte unter 50 mg/dl an. Ab da war mir klar, dass der Sensor wohl defekt sein musste und mir keine verlässlichen Werte mehr liefern würde.
Zurück in der Wechselzone zog ich meine Laufschuhe an und fühlte mich bereit für den Halbmarathon. Mein Körper und auch der Blutzucker fühlten sich gut an und ich wagte es, mich auf die Laufstrecke zu begeben, ohne meinen Blutzuckerwert genau zu kennen. Auf der Laufstrecke versuchte ich mich zurückzuhalten und meinen Puls auf jeden Fall im Aeroben Bereich zu halten. Damit war klar, dass es keine gute Zeit wird, aber ich fühlte mich so auf der sicheren Seite. Für die Laufstrecke hatte ich auch zuvor meine Verpflegung vorbereitet und mich dabei konsequent an meine Ernährungsstrategie gehalten.
Mein gutes Körpergefühl und die vielen Trainingseinheiten, in denen ich auch meine Ernährung und das Verhalten meines Blutzuckers beobachtet habe, haben es möglich gemacht, auch eine Triathlon Mitteldistanz zu bewältigen, ohne mein CGM, den Dexcom G6, zur Verfügung zu haben.
Dass ein CGM wie der Dexcom G6 ein technisches Gerät ist, das auch mal ausfallen kann, ist mir bewusst und ich mache dem Dexcom keinen Vorwurf. Das kann passieren. Dass es ausgerechnet in einem Wettkampf passierte, war zumindest für mich einfach großes Pech. Der Sensor hat sich auch nach dem Rennen nicht mehr gefangen und wurde mir im Nachgang von Dexcom ersetzt. Sicherlich wäre es vernünftig gewesen, den Wettkampf abzubrechen. Während des Rennens ist es mir zugebenermaßen nicht gelungen, diese harte Entscheidung zu treffen und aufzugeben. Dennoch ist mir noch einmal deutlich bewusst geworden, wie wichtig es ist, trotz CGM Dexcom G6 sein Körpergefühl immer wieder zu trainieren, da keine Technik eine Verlässlichkeit von 100 Prozent hat.
In einem anderen Beitrag habe ich dazu geschrieben, dass ich mir angewöhnt habe, meinen Wert immer erst zu fühlen und zu schätzen, bevor ich ihn auf der Smartwatch oder dem Smartphone nachschaue. Gerade für Typ 1 Diabetiker, die Triathlon oder einen anderen Ausdauersport machen wollen, ist es wichtig, im Training früh die Ernährung und die Auswirkung auf den Blutzucker mit einzubeziehen. Es gab mir Sicherheit, dass ich meine Vorgehensweise unzählige Male in Trainingssituationen praktiziert hatte, ohne Probleme mit dem Blutzucker zu bekommen.
Ich hoffe sehr, dass niemanden von euch das CGM während eines Wettkampfes im Stich lässt. Nachahmen sollte man mein Verhalten in dieser Situation definitiv nicht! Ich bin nicht stolz auf dieses Erlebnis, wollte aber dennoch gern meine Erfahrungen mit euch teilen. Mich würde natürlich interessieren, wie ihr in solch einer Situation entschieden hättet und freue mich auf Komentare.

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