Halbmarathon in Berlin

So nun ist auch schon mein erstes Rennen als Diabetiker Geschichte. In den Wochen vor dem Rennen habe ich viel ausprobiert, um möglichst wenige Überraschungen im Wettkampf zu erleben. Meine Versuche haben gezeigt, dass ich mit möglichst wenig Insulin starten sollte. Alle langen Läufe, bei denen ich noch Restinsulin im Körper hatte, liefen nicht gut. Die Aktivierung des Insulins durch das Laufen führte zu einem starken Abfall des Blutzuckers, den ich durch Gels kaum auffangen konnte. Ich habe mir als erstes Rennen mit Diabetes den Halbmarathon in Berlin am 07.04.19 ausgesucht. Das Wetter war super und ich freute mich riesig auf das Rennen. Ich war schon zweimal zuvor in Berlin gelaufen und hatte nur gute Erinnerungen an den Lauf. Mein Startblock war für 10:20 Uhr angesetzt. Ich bin um 8 Uhr aufgestanden und habe mir einen Proteinshake zurecht gemacht und getrunken. Zu der Zeit lag der BZ bei 117 mg/dl. Danach habe ich mich fertig gemacht. Mein Hotel lag 1 km entfernt vom Start, was mir ermöglichte, erst um kurz vor 10 Uhr im Startbereich zu sein. Um 10 Uhr habe ich angefangen einen Haferriegel zu mir zu nehmen. Der Riegel hat 410 kcal mit 52g Kohlehydraten. Durch meine Vorversuche wusste ich, dass der Riegel ca. 20 Minuten benötigt bis der BZ beginnt zu steigen. Um 10 Uhr hatte ich einen Wert von 130 mg/dl. Ich überquerte die Startlinie um 10:30 Uhr mit einem BZ von 154. Das war schon mal ein guter Start. In den ersten 25 Minuten stieg der BZ weiter auf 170 an, bevor er dann langsam fiel. Zwischen Kilometer 7 und 8 lag ich dann bei einem Wert von 121 mg/dl. Hier begann ich die erste Hälfte eines Gels zu trinken (1 BE). An der Verpflegungsstelle bei Kilometer 10 habe ich etwas getrunken und ein komplettes Gel (2 BE) zu mir genommen. Bei Kilometer 15 habe ich ein weiteres Gel (2 BE) verdrückt. Den Rest des Gels, das ich zu Beginn des Rennens nicht ganz getrunken hatte, nahm ich dann bei Kilometer 17 (1 BE). In der ganzen Zeit lag mein Blutzucker zwischen 120 und 130. Ich konnte es kaum glauben, dass es mir gelungen war, meinen Blutzucker so stabil zu halten. Während meiner Vorbereitung habe ich viel im Internet gelesen und ganz andere Empfehlungen gefunden. Die meisten Sportler lagen bei deutlich höheren Blutzuckerwerten. In der Vorbereitung habe ich jedoch gemerkt, dass ich mich im Bereich zwischen 100 und 140 mg/dl am wohlsten fühle. Das mag bei anderen anders sein. Bei mir mag es möglicherweise daran liegen, dass ich sehr spät in meinem Leben und auch erst vor kurzer Zeit Diabetes bekommen habe. Vor meiner Krankheit habe ich schon Ausdauersport betrieben, so dass mein Körper diese Anstrengungen kennt. Das sind bestimmt Umstände, die es nicht erlauben, meine Erfahrungen einfach zu kopieren. Viele berichten auch darüber, dass man an Wettkampftagen das Adrenalin mit einkalkulieren sollte. Bei mir war davon nichts zu spüren. Da im Wettkampf alles super gelaufen ist, kann ich aus dem Wettkampf selbst wenig lernen. Ich hoffe, dass meine Überlegungen richtig waren und es deshalb so gut funktionierte. Es hat mir auf jeden Fall Kraft und Mut gegeben und freue mich schon auf meinen nächsten Wettkampf.

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