Diabetiker und Triathleten lieben Gadgets

Beim Lesen von Beiträgen auf Social Media Plattformen, generell im Internet und auch in persönlichen Gesprächen fällt mir immer wieder auf, dass es sowohl in den Diskussionen der Triathleten als auch unter Diabetikern sehr oft um Gadgets geht. Gadgets sind technische Hilfsmittel bzw. Werkzeuge, die vermeintlich alles besser machen. Sie scheinen eine dominierende Stellung einzunehmen und ich habe den Eindruck, dass manch einer dabei das Eigentliche aus dem Blick verliert. Beginnen wir mal mit Diabetes. Die Entwicklung an technischen Hilfsmitteln für Diabetiker war in den letzten zehn Jahren extrem rasant. Heute kann man weitgehend auf den Einsatz von Stechhilfen bei der Messung des Blutzuckers verzichten. Die sogenannten CGM Geräte von Dexcom, Abbot oder Eversence haben Einzug erhalten. Eine zweite wichtige technische Entwicklung sind Insulinpumpen. Die Zahl an Anbietern hat deutlich zugenommen und die Funktionalität wird immer besser. In den Startlöchern stehen die Closed-Loop Systeme. Diese technischen Entwicklungen können eine Erleichterung bringen, übernehmen aber leider nicht unsere Aufgaben und Verantwortung. Schön wäre es! Welcher Diabetiker träumt nicht davon, endlich mal eine Pause einlegen zu können und sich nicht immer um den Blutzucker kümmern zu müssen. Ich selbst kenne das nur zu gut und würde mir wünschen, dass es endlich ein Gadget gäbe, das mir diese Arbeit abnimmt. Das ist möglicherweise die Zukunft, doch bis es so weit kommt, benötigen wir Hilfsmittel, die uns dabei helfen, unser Diabetes Management zu vereinfachen. Mehr aber auch nicht. Wenn man Beiträge insbesondere auf Social Media liest, hat man öfter den Eindruck, dass Menschen geradezu abhängig von diesen Geräten sind und sehr ungehalten werden, wenn es zu technischen Störungen kommt. Früher musste ich mir 3 bis 6 Mal am Tag blutig den Blutzucker messen. Heute bekomme ich alle 5 Minuten einen neuen Wert-was für ein Zugewinn. Dass es dabei aber auch zu technischen Problemen kommen kann, ist zumindest für mich normal und ich kann das Gadget nicht für mein schlechtes Diabetes Management verantwortlich machen. 

Im Triathlon scheint es nicht viel anders zu sein. Sind wir Triathleten nicht immer auf der Suche nach aerodynamischeren und leichteren Produkten, die uns angeblich schneller machen sollen? Zum Teil werden aus meiner Sicht große Geldbeträge für Gadgets ausgegeben, die mir eine Gewichtseinsparung bringen. Möglicherweise hätte man diese Gewichtseinsparung durch eine bessere Ernährung auch erreichen können und hätte dabei seinem Körper noch etwas Gutes getan. Im Triathlon gibt es wirklich viele technische Hilfsmittel, die uns besser machen sollen. Betrachtet man die Entwicklung der Neoprenanzüge, so versprechen Sie uns, immer schneller zu werden. Die Preise von Topmodellen sind inzwischen vierstellig. Dies nützt uns leider nichts, wenn wir nur einmal in der Woche zum Schwimmen gehen. Hier wäre eine Erhöhung der Trainingseinheiten und eine Verbesserung der Technik möglicherweise zielversprechender. Schwimmen kommt nun mal vom Schwimmen, wie mein Trainer so schön sagt. Das mag im Profisport anders sein, wo die Leistungsdichte sehr eng ist und man wirklich verstärkt mit Hilfe von Gadgets eine Leistungsverbesserung erreichen kann. Aber für alle normalen Agegrouper sind das aus meiner Sicht keine entscheidenden Faktoren. 

Interessant für mich als Typ 1 Diabetiker und Hobby Triathlet ist zu beobachten, wie im letzten Jahr auch das Thema Blutzuckerüberwachung als neues Gadget im Triathlon Einzug hält. Dank der Überwachung unseres Blutzuckers sollen wir als Triathleten leistungsfähiger werden. Ich selbst würde gern auf die Überwachung meines Blutzuckers verzichten. Denn diese CGM Geräte haben nicht nur Vorteile. Ich selbst trage nun schon drei Jahre ein CGM und habe seitdem immer ein Pflaster auf der Haut kleben. Dass dies an meiner Haut nicht spurlos vorbei geht, kann man sich denken. Alle 10 Tage muss ich den Sensor wechseln und führe meinem Körper eine kleine Verletzung zu, indem ich einen Faden ins Fettgewebe schieße. Ich könnte hier noch mehrere Aspekte aufzählen, die ein Leben mit einem CGM Gerät nicht einfach machen. Darum geht es mir aber an dieser Stelle nicht. Ich selbst bin ja froh, dass es sie gibt. Allerdings sehe ich in einem CGM für Diabetiker im Amateurbereich ein Gadget, dass man, zumindest auf Dauer, nicht wirklich braucht. 

Durch ein Gadget allein wird sowohl ein Diabetes Management als auch ein Triathlet nicht besser. Es ist sicherlich ratsamer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich nicht zu sehr von Gadgets verleiten zu lassen. Ich muss auch an mir selbst immer wieder feststellen, dass ich einen Hang dazu habe. Ich bin gespannt, wie es euch damit so geht und freue mich über jeden Kommentar. 

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