Time in Range im Diabetes und Triathlon

Die Bedeutung der „Zeit im Zielbereich“ wird unter Diabetikern schon seit einiger Zeit diskutiert. Mein CGM Hersteller Dexcom hat gerade in den letzten Monaten immer wieder Werbung für diese Messgröße gemacht. Das hat mich dazu veranlasst, mir einmal Gedanken zu machen, welche Bedeutung dieser Wert für mich hat, was ich daran schätze, wo ich seine Grenzen sehe und ob dies auch beim Triathlon für mich ein wichtiger Wert ist.

Die Zeit im Zielbereich ist der Prozentanteil der Zeit, in der die Glukosewerte sich in einem zuvor definierten Wertebereich bewegen. Den Zielbereich kann jeder Diabetiker selbst einstellen. Im Triathlon kann man dies gut mit den Leistungszonen für Wattwerte oder der Herzfrequenz vergleichen. Auch diese können bzw. sollten individuell angepasst werden, da sie nicht für jeden Triathleten gleich sind. In der Vergangenheit war der Hba1c-Wert der Wert, an dem man sich beim Diabetes-Management orientiert hat. Der HbA1c-Wert beschreibt, wie hoch der Blutzucker in den letzten drei Monaten war und wird über eine Blutentnahme ermittelt. Der HbA1c-Wert gibt eine Rückmeldung darüber, wie gut das Diabetes-Management in den letzten Wochen war. Für die tägliche Steuerung meines Blutzuckers hat der Wert keine Bedeutung. Für mein tägliches Diabetes-Management nutze ich auch Zielbereiche. Dabei verwende ich die voreingestellten Werte und versuche meinen Blutzucker im Bereich zwischen 80 und 180 mg/dl zu halten. Der Prozentwert, wieviel Zeit ich am Tag im Zielbereich war, ist mir persönlich nicht so wichtig. Natürlich versuche ich, den Zielbereich möglichst wenig zu verlassen. Sollte dies trotzdem passieren, ist es für mich wichtig zu beobachten, wie stark und wie lange mein aktueller Wert vom Zielbereich abweicht. Meine Trainingseinheiten beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen starte ich oft in einem Bereich über 180 mg/dl, um während der Einheit nicht zu schnell in den Unterzucker zu geraten. Wichtig ist mir dabei, dass der Blutzucker nicht länger als eine Stunde nicht im Zielbereich liegt. Dabei macht es einen Unterschied, welche Sportart ich betreibe. Beim Radfahren dauert es am längsten bis sich der Blutzucker senkt. Beim Laufen geht es deutlich schneller und ich muss deutlich stärker auf einen zu starken Abfall des Blutzuckers achten. Wieder anders ist es bei mir beim Schwimmen. Zu Beginn einer Schwimmeinheit steigt mein Blutzucker auch ohne die Zunahme von Kohlenhydraten deutlich an und ich erreiche dann auch Werte über 180 mg/dl. Erst gegen Ende einer Schwimmeinheit, die in der Regel 60 bis 90 Minuten dauert, fällt der Blutzucker deutlich. Eine reine Betrachtung der Zeit im Zielbereich ist daher für mich nicht sehr aussagekräftig und es müssen andere Aspekte wie der Sport mit in die Interpretation einbezogen werden.
Ein extremes Beispiel sind Wettkämpfe. An Tagen, an denen ich an einem Wettkampf teilnehme, hat die Zeit im Zielbereich für mich keine Bedeutung. Der Prozentwert ist an diesem Tag sehr schlecht, was dem Wettkampf geschuldet ist.
Bei der Beurteilung der Zeit im Zielbereich spielt aber auch immer die Tagesform oder der Gesundheitszustand eine wichtige Rolle und so gibt er keine klare Auskunft darüber, ob mein Diabetes-Management gut funktioniert. Ähnlich verhält es sich mit dem Essen. Auch ich ernähre mich nicht immer gut, was dann stark schwankende Blutzuckerwerte zu Folge hat. Besonders merke ich es, wenn ich auswärts essen gehe und gezwungen bin, die Kohlenhydrate zu schätzen, was nicht immer gut funktioniert und dann entsprechend mein Blutzucker nicht im Zielbereich bleibt.
Meine Ausführungen zeigen, dass der Zielbereich für mich durchaus ein wichtiger Wert in meinem täglichen Diabetes-Management spielt, ich aber auf die Prozentangabe nicht so viel Wert lege. Für mich ist es wichtiger, wie hoch oder wie tief mein Wert außerhalb des Zielbereichs liegt und wie lange dies andauert. Es macht einen großen Unterschied, ob mein Wert zum Beispiel für eine Stunde über 180 mg/dl liegt und dabei ein Wert von 200 nicht überschritten wird oder ich für eine Stunde über 180 mg/dl liege, dabei aber Spitzen von 250 bis 300 mg/dl erreiche. Der zweite Fall ist für mich deutlich schlechter, würde aber bei der reinen Betrachtung der Zeit im Zielbereich keinen Unterschied machen.
Zeit im Zielbereich unterscheidet außerdem nicht zwischen Überzuckerung und Unterzuckerung, was für mich aber sehr wichtig ist. Ziel ist es für mich immer, den Unterzucker zu vermeiden, da er aus meiner Sicht deutlich gefährlicher ist. Ich achte daher konsequent darauf, keine zu niedrigen Werte zu haben. Höhere Werte sind für mich deutlich weniger schlimm und Werte bis 200 über keine zu lange Zeit akzeptabel. Auch Werte zwischen 180 bis 200 mg/dl über 2 Stunden sind für mich nicht so schlimm, wie mehrere kurze Spitzen von über 200 mg/dl, die danach zu einem extremen Abfall des Blutzuckers führen.
Mein Ziel ist es deshalb, möglichst eine flache Kurve zu haben und zu starke Anstiege oder Abfälle zu vermeiden, die ich auch körperlich als sehr viel anstrengender empfinde.
Jetzt bin ich gespannt, wie ihr es mit eurer Zeit im Zielbereich handhabt und freue mich über jeden Kommentar.

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