Profiradsport mit Diabetes- eine Gratwanderung

Profiradsport mit Typ1 Diabetes

Auslöser für meinen heutigen Beitrag ist das Video auf YouTube über ein Radprofiteam mit dem Titel „Ride For Your L1fe“. Alle Teammitglieder haben Typ 1 Diabetes und werden von dem Insulinhersteller Novo Nordisk gesponsert. Die Dokumentation ist sehr gut gemacht und gibt einen guten Einblick in das Leben des Teams und die Herausforderungen für Profiradfahrer mit Diabetes Typ 1. Ziel der Initiative ist es, Menschen mit Typ 1 Diabetes zu inspirieren und zu stärken. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, was das Team Novo Nordisk leistet. Meine Begeisterung für das Video stimmte mich aber auch nachdenklich und ich stellte mir die Frage, ob das wirklich sein muss. Es klingt jetzt sicherlich merkwürdig, wenn jemand wie ich, der Triathlon mit Typ 1 Diabetes betreibt, solch eine Frage stellt. Ich finde, das Video verdeutlicht sehr gut, welche Gratwanderung man betreibt, wenn man als Typ 1 Diabetiker Profiradsport betreibt. Unter Gratwanderung verstehe ich hier den Versuch, während des Sports den Blutzucker in einem guten Bereich zu halten. Die Gefahr einer sogenannten Hypoglykämie (Unterzuckerung) ist dabei immer gegenwärtig, eine Situation, vor der jeder Typ 1 Diabetiker Angst hat. Diese Angst ist mehr als berechtigt. Eine Unterzuckerung kann innerhalb weniger Minuten eintreten und bis zur Bewusstlosigkeit führen. Ausgelöst wird sie durch den Umstand, dass man zu viel künstliches Insulin im Körper hat. Die fehlende Selbstregulation, die bei Nichtdiabetikern vorhanden ist, macht es für Typ 1 Diabetiker so schwierig. Das künstliche Insulin wird benötigt, um Kohlenhydrate verarbeiten zu können, die man für den Sport benötigt. Ein Verzicht auf Insulin beim Sport ist leider auch keine Lösung. Den richtigen Weg zu finden zwischen der Aufnahme von Kohlenhydraten, die man für den Sport benötigt, und der Menge an Insulin, die man dafür benötigt, ist eine echte Gratwanderung. Besonders schwierig wird es, weil der Bedarf an Insulin sich durch den Sport verändert. In der Regel benötigt man aufgrund des Sports weniger Insulin. Vor jeder Sporteinheit ist auch zu berücksichtigen, wieviel Insulin noch im Körper ist, denn zu viel aktives Insulin im Körper kann schnell zu einer Unterzuckerung und daher zu einer Gefahr werden. Wie man an dem Profiradteam Novo Nordisk sieht, ist dies leistbar und zwar auch auf einem extrem hohen Leistungsniveau. Gerade die Innovationen im Diabetes Management in den letzten Jahren versetzen uns in die Lage, auf höchstem Niveau Sport betreiben zu können. Dass Sport sich positiv auf das Diabetes Management auswirkt, erfahre ich auch immer wieder am eigenen Körper. Im Sommer musste ich aufgrund einer Knieverletzung über mehrere Monate mit Laufen und Radfahren pausieren und mein wöchentliches Trainingspensum schrumpfte auf 4 bis 5 Stunden pro Woche, was für mich sehr wenig ist. Meine Blutzuckerwerte verschlechterten sich von Woche zu Woche, dies führte zu meinem schlechtesten HbA1c Wert seit Jahren. Erst in den letzten Wochen konnte ich endlich wieder mein Trainingspensum steigern und meine Blutzuckerwerte werden von Woche zu Woche besser. Keinen Sport zu betreiben, ist daher für mich überhaupt keine Lösung. Das andere Extrem, Sport als Profi zu betreiben, kann ich akzeptieren, finde es aber nicht erstrebenswert. Profi im Sport zu sein bedeutet, dass man immer wieder an seine Leistungsgrenzen geht und manchmal sogar darüber hinaus. Bei Typ 1 Diabetikern kann dies leider schnell zu Unterzuckerung bis zur Bewusstlosigkeit führen. Im Video Ride For Your L1fe berichten alle Teammitglieder, dies bereits einmal erlebt zu haben. Glücklicherweise muss ich als Hobby Triathlet nicht an meine Grenzen gehen und auch keine Bestzeiten liefern, um meine Sponsoren bei der Stange zu halten. Für mich ist Triathlon eine Leidenschaft, der ich gern nachgehe, aber nicht um jeden Preis. Die Gesundheit steht dabei immer an oberster Stelle. Mit Disziplin und einer guten Planung ist es mir gelungen, Ausdauersport über Jahre zu betreiben ohne glücklicherweise je eine starke Hypoglykämie erlebt zu haben. Das soll auch so bleiben. Ausdauersport und Diabetes ist eine Gratwanderung, die aus meiner Sicht im Hobbybereich gut zu managen ist. 

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